Hatha Yoga

In der dem Hatha Yoga vorangegangenen epischen Zeit war der Körper nicht wichtig. Er wurde als leidverursachende Hülle gesehen, der den Blick auf den Wesenskern trübte.

 

Die jüngste Tradition des Yoga, der Hatha Yoga (etwa 9. Jhdt.), führte den Ansatz in Patañjalis Yoga-Sȗtra weiter, und der Tantrismus mit seinem die Körperlichkeit bejahenden Weltbild bot dieser völlig neuen Form des Yoga das Fundament. Der Hatha Yoga war geboren.

Entwickelt hat sich der Hatha Yoga im Orden der Kāṇphata Yogis, dessen Gründer, ein Asket Namens Gorakhnāth, die Goraksha-Shataka verfasste. Die Haupttexte des Hatha Yoga, sind die Gheranda-Samhitā, die Shiva-Samhitā und die Hatha-Yoga-Pradῑpikā.

 

Von nun an war der Körper wichtig, er galt als Ort der Erfahrungen auf allen Ebenen, wobei sich das Erfahrungsspektrum nicht auf den physischen Körper beschränkte, sondern auch feinstoffliche Systeme wie Nādīs und Cakras, aber auch die weibliche Shakti-Energie, die männliche Shiva-Energie und die Kundalinī-Energie mit einbezog. Über die feinstofflichen Systeme wird nach dem Verständnis des Hatha Yoga Prāna im Körper transportiert und verteilt. Es muss also dafür gesorgt werden, dass der Energiefluss ungehindert erfolgen kann und keinerlei Blockaden entstehen. Das Spektrum der Āsana erweiterte sich, und der Körper wurde zum Tempel der Seele, der durch Meditation, Körper-, Atem- und Reinigungsübungen gesund erhalten wird.